Gucki

Mittwoch, 31. August

Winterhafen

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Das Bild zeigt das Buch “Winterhafen” am Mainzer Winterhafen

    “Er verurteilte den Realismus in der Literatur. Kunst soll doch erfreuen, nicht wahr. Das Leben war doch gewiß nicht heiter genug, um so einfach abphotographiert zu werden. Da seine Frau bei diesen Worten seufzte, wechselte er schnell das Thema und sprach vom Kaiser.” (Eduard von Keyserling, 1911)

Mancher Griff in die Regale von Buchhandlungen und Bibliotheken ist weniger von literarischem Interesse als lokalpatriotischer Neugier gelenkt. Der Leser kennt die Handlungsorte und ist gespannt darauf, sie im Buch wiederzufinden, literarisch anverwandelt oder dokumentarisch exakt geschildert.

So war es auch bei Sigfrid Gauchs 1999 erstmals und 2011 in einer Überarbeiteten Neuausgabe erschienenem Roman “Winterhafen”. In “Winterhafen” verschränkt Gauch auf mehreren Zeitebenen und diversen Rückblenden zwei Erzählstränge um den Hochschullehrer Stefan Dorn: Dorns Beziehung zur Ärztin Anna Morgenstern und die Geschichte der Entfremdung von seiner Tochter Patricia. Beide Handlungsteile enden tragisch: die Tochter, am Leben, den Drogen und dem Studium gescheitert, suizidiert sich im Alter von 28 Jahren. Die Geliebte wird von geheimbündlerischen rechten Esoterikern getötet.

Noch am ehesten werden Jugendliche und junge Erwachsene Zugang zu den 451 Seiten wiederfinden. “Winterhafen” ist kein Mainzer Roman, kein Liebesroman, kein Kriminalroman. Man mag das Buch deshalb als Zeitroman für Jugendliche und junge Erwachsene verorten; Der Leser spürt in vielen Formulierungen den pädagogischen Hintergrund Gauchs, dessen Vita der des Helden in manchem ähnelt.

Über weitere Annäherungen zur biographischen Realität soll hier nicht spekuliert werden. Auch die Beurteilung der literarischen Qualität des Textes soll nicht im Zentrum der Betrachtung stehen.

Treffend beobachtet wird die Mainzer Literaturszene um den Buchhändler Pfaff, in dem Kenner natürlich das reale Vorbild wiedererkennen werden. “Autoren untereinander neiden sich gründlich jeden Erfolg, gönnen sich gegenseitig keine einzige Veröffentlichung”, charakterisiert Gauch auf Seite 105 den lokalen Schreiberklüngel.

Die Originalprobe besteht der Text nicht. Die titelgebende Örtlichkeit bleibt seltsam unscharf. Obwohl Gauch manche Schlüsselszenen des Romans am Winterhafen ansiedelt, vermag er es nicht, dem Leser die Eigenart und Atmosphäre des Terrains zwischen Fort Malakoff und der Eisenbahnbrücke nachhaltig und überzeugend zu vermitteln.

Den Winterhafen, den Sigfrid Gauch der Abfassung seines Romans vor Augen hatte gibt es heute nicht mehr. Wo früher Unkräuter und BrombeerHecken wucherten, rodeten die Projektentwickler. Allabendlich planiert die Spaßgesellschaft den Rasen der Mole. Eventgastronomie und Biergarten treiben szenetypisches Unwesen. Und so ist es schade: Gauch hat die Chance, den Winterhafen literarisch in der Zeitkapsel eines Buches zu konservieren, nicht genutzt.

Dienstag, 30. August

Lerchenberg

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Modell des ZDF-Verwaltungsgebäudes

    “Einstweilen hat es die Technik der Kulturindustrie bloß zur Standardisierung und Serienproduktion gebracht …” (Adorno/Horkheimer)

Montag, 29. August

Sockel des Gutenbergdenkmals, Gutenbergplatz

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Haken am Sockel des Gutenbergdenkmals

    “… und nach ernstlichstem Erwägen kam ich endlich zu dem Schluß: es sei das beste für mich, den ganzen Kram an den Nagel zu hängen und mich, auf jede Gefahr hin, auf die eignen zwei Beine zu stellen. ” (Theodor Fontane)

Seit einigen Wochen fällt dem Radler der Kleiderhaken unter dem Fries des Gutenbergdenkmals auf. Ein Begründungszusammenhang hat sich noch nicht erschließen lassen. Sinnfreie Aktion der Spassguerilla, die am letzten Sonntag einige Meter entfernt unter der Begründung des Gedenkens an Loriot Plastikenten in einer Transportbadewanne spazierenfuhr? Hintergründig-resignative Anspielung der Kulturpessismisten auf den Verfall der Schwarzen Kunst im Zeitalter von Desktop-Publishing und Internet? Soll der gute alte Johannes seine doch gerade kürzlich von Patina befreite Kutte samt Druckerhandwerk an den Nagel hängen?

Sonntag, 28. August

Fußgängerbrücke Zementwerk, Weisenau

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Geländerstäbe

    “Dann stand ich am Fluß über eisernes Geländer gebeugt und starrte hinab in die tosenden Wellen.” (Gustav Meyrink, 1915)

Samstag, 27. August

Festsaal der Bundeswehr-Standortkommandantur, Osteiner Hof

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Gemälde Wilhelms II.

    “Pardong wird nicht jejeben! Jefangene werden nicht jemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen jemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möje der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!” (Wilhelm Zwo, 1900)

Freitag, 26. August

Höfchen

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Brunnen am Höfchen

    Donnerstag, 25. August

    Bischofsplatz devisited

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    Rokoko-Portal bei der Ignazkirche

      Nicht für die Ewigkeit scheint das bauliche Inventar des Bischofsplatzes. In den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts musste ein Pumpbrunnen seinen Standort in der Platzmitte räumen. Ein am Bischofsplatz 12 beheimatetes Rokoko-Portal, das ist einem Bericht der Lokalpresse zu entnehmen, wurde im Rahmen der Stadtentwicklung ebenfalls versetzt. Das Portal gehörte zu der im Krieg zerbombten Domkurie, die in den Sechzigern endgültig niedergelegt wurde. Das Sandsteinportal fand eine neue Planstelle hinter der Ignazkirche.

    Mittwoch, 24. August

    Biebrich, Rheinufer

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    Flasche im Rhein

      “I hope that someone gets my … I hope that someone gets my … I hope that someone gets my … Message in a bottle, yeah …” (Sting)

    Dienstag, 23. August

    Proviantamt, Sterne der Satire, Stern No. 64

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    Kerze zum Gedenken an Loriot

      “Im Schatten der von mir gepflanzten Pinien will ich den letzten Gast, den Tod, erwarten…” (Robert Gernhardt)

    Montag, 22. August

    Fischtorplatz

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    Detail vom Brunnen am Fischtorplatz

      Aufsteigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund…” (Conrad Ferdinand Meyer, 1882)

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