Vanitas-Symbol am Fähncheskreuz, bei Kostheim
-
“Eitles Trachten, eitles Ringen frißt dein bißchen Leben auf, bis die Abendglocken klingen, still dann steht der tolle Lauf.” (Nikolaus Lenau, 1832)
“Rechts des Rheins ist auch noch Mainz!” Mit dieserm endgereimten Motto werben hiesige Traditionalisten für eine Rückkehr der drei “ehemaligen” rechtsrheinischen Vororte Amöneburg, Kostheim und Kastel nach Mainz.
Der Slogan - er soll auf den hornbebrillten Alt-Karnevalisten Rolf Braun zurückgehen - mag die Beschilderung der Baustelle am Kreisel des Kasteler Brückenkopfes inspiriert haben. Aus Wiesbaden kommend sieht sich der Autofahrer auf der Rampe zur Theodor-Heuss-Brücke unversehens mit einem Hinweisschild konfrontiert, das an kryptischer Eindeutigkeit nichts zu wünschen lässt.
Wendet er sich nach rechts, wird der Wagenlenker auch tatsächlich auf die Brücke und über den Rhein nach Mainz geleitet. Der Hinweispfeil nach links, scheinbar ebenfalls dasselbe Ziel verheißend, schickt ihn dagegen auf eine Odyssee durch die “ebsch Seit“. Wenn er Glück hat, erreicht der Kraftfahrer vielleicht nach Stunden die Autobahnbrücke nach Weisenau.
Dass allen Richtungen auf dem Schild darunter nur ein Richtungspfeil zugestanden wird, scheint dann nur folgerichtig…
Zu den Fehlentwicklungen, über die sich Sprachpfleger und andere Tugendwächter der Orthographie mit Vorliebe grämen, gehören bekanntlich der Deppenapostroph (apostrophus asini), das Deppenleerzeichen (spatium asini) und schließlich der Deppenbindestrich (divis asini). Ein Deppenbindestrich trennt die Bestandteile eines zusammengesetzten Wortes - und zwar meistens zu dessen Nachteil.
So auch beim “Bewohnerpark-Gebiet”, eine Fügung, die den Propagandaverantwortlichen der Stadt Mainz einfiel. Thema ihrer Pressemitteilung war das Parkplatzangebot im Vorort Bretzenheim, das bei Heimspielen der lokalen Balltreter durch deren Sympathisantenhorden drastisch reduziert wird. Sinnentstellung vom feinsten war das Ergebnis des miBratenen Bindestrichs.
Das Wörterbuch des Dummdeutschen kennt Einrichtungen wie den Themenpark und den Technologiepark schon länger. Mit gepflegtem öffentlichen Grün haben sie ebensowenig gemein wie Industrieparks oder gar Entsorgungsparks.
Das Urheberrecht für “Bewohnerpark” besitzt wohl allein die hiesige Stadtverwaltung. Bestes Neusprech. Brave new speak. Vielleicht stellt sich das Rathaus (in Anlehnung an Peter Sloterdijks ”Menschenpark”) den Vorort Bretzenheim als Grünanlage vor, dessen Bewohner wie zarte Pflänzchen gehegt und gepflegt werden.
So nah ist die etymologische Verwandschaft von Park und parken nun doch nicht.
Sie hatte es nie besonders leicht, die “Froschkönigin” am Biebricher Rheinufer. Seit 2004 saß die Betonskulptur der jungen Frau auf der Brüstung der Terrasse und schaute versonnen den Rhein hinab. Die Künstlerin Birgid Helmy hatte ihr ein keckes Krönchen auf den Schopf gesetzt.
Damit mochte sie auf einen Galan warten, auf den nächsten Rheindampfer oder eine Einladung zu einem Schoppen Riesling. Ihre Nase war rot, aber sie schien zufrieden mit sich und ihrem Platz auf der Promenade. So vergingen immerhin einige Jahre, bis die ersten Vandalen den Mut aufbrachten, in ihrer Anwesenheit eine Provokation zu sehen.
2009 amputierte man ihr Füße und Unterschenkel knapp unterhalb der Knie. Erst nach zwei Jahren waren die Mittel zur Restaurierung der Statue aufgebracht. Vor einigen Wochen, im Juni, konnte sie ihre Beine wieder baumeln lassen.
Kulturpessimisten dürften dergleichen erwartet haben. Es dauerte nur eine Woche, dann kühlte der nächste lokale Rohling - oder selbiger - sein Mütchen an ihr. Diesmal schlug er ihr den Kopf ab.
Erneut besorgte die Künstlerin die Sanierung der Statue, diesmal aus eigenen Mitteln. Vielleicht hat sie ihrer “Froschkönigin” einen Totschläger, Tränengas oder Pfefferspray in die Damenhandtasche eingepackt.
läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )